Mira Schendel

 

Mira Schendel (*1919 als Myrrha Dagmar Dub in Zürich) war Malerin, Bildhauerin und Lyrikerin. Als Tochter einer jüdischen Familie in der Schweiz geboren und in Italien katholisch erzogen, studierte sie Philosophie in Mailand, bis sie die Universität 1939 wegen ihrer jüdischen Abstammung verlassen musste. Nach Stationen in Sofia, Sarajevo, Mailand und Rom emigrierte sie 1949 nach Brasilien und ließ sich 1953 in São Paulo nieder. Geprägt von ihren Migrationserfahrungen und durch ihr besonderes Interesse an philosophischen, theologischen und religionsgeschichtlichen Themen entwickelte sie ein poetisches Werk, das existenzielle Fragen aufwirft und herkömmliche Gattungshierarchien unterwandert. Mira Schendel starb 1988 in São Paulo.

 

kunstwerk

Livro Obra, 1971
Livro Obra, 1973

Letraset auf pflanzlichem Papier, je 18,5 x 31,5 cm

 

Die Arbeiten von Mira Schendel sind geprägt von ihrem Gefühl, die eigene Sprache zu verlieren sowie dem Einfluss der künstlerischen Moderne Brasiliens. Die Künstlerin wanderte in den Nachkriegsjahren nach São Paulo aus, wo sie in Austausch mit emigrierten Intellektuellen verschiedener Disziplinen trat. Sie setzte sich mit Fragen der Ästhetik und Philosophie auseinander, insbesondere der Phänomenologie, Semiotik und der Poesie, die ihr künstlerisches Werk, das sie sich als Autodidaktin erarbeitete, prägen sollten. Häufig verband Schendel Bild und Sprache und bediente sich einer reduzierten konkreten Formensprache, die von der Abstraktion der brasilianischen Moderne um Lygia Clark und Hélio Oiticica inspiriert war. In zahlreichen Malereien auf Reispapier setzte sie Worte und Sprachfragmente auf Deutsch, Italienisch und Portugiesisch ein, jenen Sprachen, die sie selbst sprach und denen sie aufgrund ihrer Flucht- und Migrationsgeschichte ausgesetzt war. Für die Vermischung von europäischen und brasilianischen Einflüssen, die das intellektuelle Leben der Diaspora bestimmte stehen stellvertretend ihre beiden Bücher „Livro Obra“. Auf poetische Weise loten die Arbeiten existenzielle Dimensionen der Leere, des Flüchtigen und der Stille aus und drücken dabei auch die Entwurzelung und Neuerfindung aus, die die Biografie der Künstlerin prägten.

 

 

Mira Schendel

 

Mira Schendel (*1919 als Myrrha Dagmar Dub in Zürich) war Malerin, Bildhauerin und Lyrikerin. Als Tochter einer jüdischen Familie in der Schweiz geboren und in Italien katholisch erzogen, studierte sie Philosophie in Mailand, bis sie die Universität 1939 wegen ihrer jüdischen Abstammung verlassen musste. Nach Stationen in Sofia, Sarajevo, Mailand und Rom emigrierte sie 1949 nach Brasilien und ließ sich 1953 in São Paulo nieder. Geprägt von ihren Migrationserfahrungen und durch ihr besonderes Interesse an philosophischen, theologischen und religionsgeschichtlichen Themen entwickelte sie ein poetisches Werk, das existenzielle Fragen aufwirft und herkömmliche Gattungshierarchien unterwandert. Mira Schendel starb 1988 in São Paulo.

 

kunstwerk

Livro Obra, 1971
Livro Obra, 1973

Letraset auf pflanzlichem Papier, je 18,5 x 31,5 cm

 

Die Arbeiten von Mira Schendel sind geprägt von ihrem Gefühl, die eigene Sprache zu verlieren sowie dem Einfluss der künstlerischen Moderne Brasiliens. Die Künstlerin wanderte in den Nachkriegsjahren nach São Paulo aus, wo sie in Austausch mit emigrierten Intellektuellen verschiedener Disziplinen trat. Sie setzte sich mit Fragen der Ästhetik und Philosophie auseinander, insbesondere der Phänomenologie, Semiotik und der Poesie, die ihr künstlerisches Werk, das sie sich als Autodidaktin erarbeitete, prägen sollten. Häufig verband Schendel Bild und Sprache und bediente sich einer reduzierten konkreten Formensprache, die von der Abstraktion der brasilianischen Moderne um Lygia Clark und Hélio Oiticica inspiriert war. In zahlreichen Malereien auf Reispapier setzte sie Worte und Sprachfragmente auf Deutsch, Italienisch und Portugiesisch ein, jenen Sprachen, die sie selbst sprach und denen sie aufgrund ihrer Flucht- und Migrationsgeschichte ausgesetzt war. Für die Vermischung von europäischen und brasilianischen Einflüssen, die das intellektuelle Leben der Diaspora bestimmte stehen stellvertretend ihre beiden Bücher „Livro Obra“. Auf poetische Weise loten die Arbeiten existenzielle Dimensionen der Leere, des Flüchtigen und der Stille aus und drücken dabei auch die Entwurzelung und Neuerfindung aus, die die Biografie der Künstlerin prägten.