Marcel Odenbach

 

Marcel Odenbachs (*1953 in Köln) künstlerisches Werk beschäftigt sich mit der Verdrängung, Aufarbeitung und Instrumentalisierung von Vergangenheit. Neben der intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte und den Nachwirkungen des Nationalsozialismus widmet er sich in seinen Werken auch dem Kolonialismus und seinen Folgen. Durch die Kombination von Film- und Fernsehmitschnitten, Archivmaterial und selbst produzierten Bildern entwickelt er komplexe Erzählungen, in denen er jene historische Dimension offenlegt, die unterhalb der Oberfläche liegt und als häufig verdrängter Schatten der Vergangenheit noch immer nachhallt. Die eigene Biografie und jene anderer sind dabei wichtige Motive.

 

 

kunstwerk

Ordnung muß sein, 2019

Collage, Fotokopien, Bleistift, Tinte auf Papier, 265 x 140 cm

 

 

im Land der Dichter und Denker, 2019

Collage, Fotokopien, Bleistift, Tinte auf Papier, 198,5 x 150 cm

 

 

Das große Fenster – Einblick eines Ausblicks, 2001

Video, 12:20 min

 

In seinen Videos und Collagen bedient sich Marcel Odenbach häufig eines Montageprinzips, das zwischen Nah- und Fernperspektive wechselt. Seine Papierarbeiten entfalten sich aus der Distanz als suggestive, große Bildoberfläche sowie bei näherer Betrachtung als unzählige kleine Einzelbilder. Seine Collagen inszenieren die Wirklichkeit als Ergebnis sich überlagernder Schichten. Die Collage „Ordnung muß sein“ zeigt einen Besteckkasten aus dem berühmten Kanzlerbungalow in Bonn, dem ehemaligen Wohn- und Empfangshaus der deutschen Bundeskanzler von Erhard bis Kohl. In der Tradition der klassischen Moderne gestaltet, sollte der zwischen 1963 und 1966 errichtete Bau als Symbol für eine weltoffene Bundesrepublik fungieren. Odenbach montiert nun in die Fächer des Besteckkastens Bilder, die sich auf die Verbrechen der Nationalsozialisten beziehen. Die Collage „im Land der Dichter und Denker“ stellt die Schreibmaschine von Odenbachs Großvater dar. Der darin eingespannte Brief stammt von seiner Tante, die diesen 1939 an ihre Mutter schrieb, als sie mit dem Schiff nach Brasilien emigrierte. Odenbachs Film „Das große Fenster“ zeigt die Alpenlandschaft des Obersalzbergs bei Berchtesgaden, wo Adolf Hitler seine Berghof-Residenz hatte. Der Naturkulisse werden historische Aufnahmen von Hitler im Kreis von Vertrauten, von Soldaten und zerstörten Städten gegenübergestellt, begleitet von Vogelgezwitscher und der Siebten Sinfonie von Anton Bruckner, die nach der Bekanntmachung von Hitlers Tod im deutschen Rundfunk lief. Die Schlussszene zeigt den Schauspieler Hans Albers in seiner Rolle als „Münchhausen“. Der 1943 erschienene Film wurde von Propagandaminister Joseph Goebbels selbst in Auftrag gegeben. In der Montage erinnern die Bilder daran, wie Inszenierung und Propaganda den Blick auf Gegenwart und Geschichte verfälschen können.

 

Marcel Odenbach

 

Marcel Odenbachs (*1953 in Köln) künstlerisches Werk beschäftigt sich mit der Verdrängung, Aufarbeitung und Instrumentalisierung von Vergangenheit. Neben der intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte und den Nachwirkungen des Nationalsozialismus widmet er sich in seinen Werken auch dem Kolonialismus und seinen Folgen. Durch die Kombination von Film- und Fernsehmitschnitten, Archivmaterial und selbst produzierten Bildern entwickelt er komplexe Erzählungen, in denen er jene historische Dimension offenlegt, die unterhalb der Oberfläche liegt und als häufig verdrängter Schatten der Vergangenheit noch immer nachhallt. Die eigene Biografie und jene anderer sind dabei wichtige Motive.

 

 

kunstwerk

Ordnung muß sein, 2019

Collage, Fotokopien, Bleistift, Tinte auf Papier, 265 x 140 cm

 

 

im Land der Dichter und Denker, 2019

Collage, Fotokopien, Bleistift, Tinte auf Papier, 198,5 x 150 cm

 

 

Das große Fenster – Einblick eines Ausblicks, 2001

Video, 12:20 min

 

In seinen Videos und Collagen bedient sich Marcel Odenbach häufig eines Montageprinzips, das zwischen Nah- und Fernperspektive wechselt. Seine Papierarbeiten entfalten sich aus der Distanz als suggestive, große Bildoberfläche sowie bei näherer Betrachtung als unzählige kleine Einzelbilder. Seine Collagen inszenieren die Wirklichkeit als Ergebnis sich überlagernder Schichten. Die Collage „Ordnung muß sein“ zeigt einen Besteckkasten aus dem berühmten Kanzlerbungalow in Bonn, dem ehemaligen Wohn- und Empfangshaus der deutschen Bundeskanzler von Erhard bis Kohl. In der Tradition der klassischen Moderne gestaltet, sollte der zwischen 1963 und 1966 errichtete Bau als Symbol für eine weltoffene Bundesrepublik fungieren. Odenbach montiert nun in die Fächer des Besteckkastens Bilder, die sich auf die Verbrechen der Nationalsozialisten beziehen. Die Collage „im Land der Dichter und Denker“ stellt die Schreibmaschine von Odenbachs Großvater dar. Der darin eingespannte Brief stammt von seiner Tante, die diesen 1939 an ihre Mutter schrieb, als sie mit dem Schiff nach Brasilien emigrierte. Odenbachs Film „Das große Fenster“ zeigt die Alpenlandschaft des Obersalzbergs bei Berchtesgaden, wo Adolf Hitler seine Berghof-Residenz hatte. Der Naturkulisse werden historische Aufnahmen von Hitler im Kreis von Vertrauten, von Soldaten und zerstörten Städten gegenübergestellt, begleitet von Vogelgezwitscher und der Siebten Sinfonie von Anton Bruckner, die nach der Bekanntmachung von Hitlers Tod im deutschen Rundfunk lief. Die Schlussszene zeigt den Schauspieler Hans Albers in seiner Rolle als „Münchhausen“. Der 1943 erschienene Film wurde von Propagandaminister Joseph Goebbels selbst in Auftrag gegeben. In der Montage erinnern die Bilder daran, wie Inszenierung und Propaganda den Blick auf Gegenwart und Geschichte verfälschen können.