Annette Kelm

 

Annette Kelms (*1975 in Stuttgart) konzeptuelle Fotografien beschäftigen sich mit den Konventionen des Sehens und des Zeigens, mit der Konstruiertheit von Bildern sowie der Offenlegung ihrer Produktionsumstände. In ihren Stillleben, Porträts, Landschafts- und Architekturaufnahmen dokumentiert sie moderne Alltagskultur und nutzt dafür häufig die Mittel der Objektfotografie. Aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und in neue Konstellationen überführt, evozieren ihre Motive Assoziationen, die künstlerische, historische und soziokulturelle Referenzen offenlegen.

 

kunstwerk

Travertinsäulen, Recyclingpark Neckartal (Sommer, Parkplatz, morgens), 2019

Archival Pigment Prints, je 100,6 x 79 cm

 

In ihrer Serie Recyclingpark Neckartal widmet sich Annette Kelm der fotografischen Untersuchung eines in der Stuttgarter Peripherie verborgenen Reliktsnationalsozialistischer Architektur. Eingezwängt zwischen einem Recyclinghof und einem Müllheizkraftwerkstehen 14 Travertinsäulen, die das NS-Regime in den 1930er Jahren beim Stuttgarter Steinbruch Lauster in Auftrag gab. Trotz ihrer eigentlich kolossalen Proportionen sind sie heute, im Schatten der gigantischen Müllverbrennungsanlage, kaum auszumachen. Vorgesehen waren sie für ein monumentales Mussolini- Denkmal, das als Teil von Albert Speers geplanter Welthauptstadt „Germania“ in Berlin auf dem Adolf-Hitler-Platz (heute Theodor-Heuss-Platz) errichtet werden sollte. Der Krieg verhinderte dieses Vorhaben, und die Säulen wurden nie abtransportiert. So bilden sie heute ein Zeugnis des nationalsozialistischen Größenwahns und des machtpolitischen Anspruchs seiner Staatsarchitektur.

 


Verbrannte Bücher, 2019

Archival Pigment Prints, je 52 x 70 cm

 

Die Serie Verbrannte Bücher setzt Exemplare der als „undeutsch“ verfemten und von den Nationalsozialisten 1933 öffentlich verbrannten Literatur fotografisch ins Bild. Sie würdigt diese als „Überlebende“ und weist so darauf hin, dass Objekten nach dem Verschwinden der Zeitzeugen eine besondere Bedeutung für das kollektive Gedächtnis zukommt. Neben Autor*innen wie Else Lasker- Schüler, Erich Kästner oder Stefan Zweig machen Kelms 24 Fotografien auch weniger bekannte Schriftsteller*innen sichtbar und zeigen, dass selbst Kinderbücher der Zensur unterworfen waren. Die gleichmäßige Ausleuchtung und mittige Platzierung stellen eine Gleichberechtigung zwischen den Autoren und ihren Werken her und halten die moderne Formensprache fest, die durch das nationalsozialistische Regime ausgelöscht werden sollte.

 

audioguide

Annette Kelm

 

Annette Kelms (*1975 in Stuttgart) konzeptuelle Fotografien beschäftigen sich mit den Konventionen des Sehens und des Zeigens, mit der Konstruiertheit von Bildern sowie der Offenlegung ihrer Produktionsumstände. In ihren Stillleben, Porträts, Landschafts- und Architekturaufnahmen dokumentiert sie moderne Alltagskultur und nutzt dafür häufig die Mittel der Objektfotografie. Aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und in neue Konstellationen überführt, evozieren ihre Motive Assoziationen, die künstlerische, historische und soziokulturelle Referenzen offenlegen.

 

kunstwerk

Travertinsäulen, Recyclingpark Neckartal (Sommer, Parkplatz, morgens), 2019

Archival Pigment Prints, je 100,6 x 79 cm

 

In ihrer Serie Recyclingpark Neckartal widmet sich Annette Kelm der fotografischen Untersuchung eines in der Stuttgarter Peripherie verborgenen Reliktsnationalsozialistischer Architektur. Eingezwängt zwischen einem Recyclinghof und einem Müllheizkraftwerkstehen 14 Travertinsäulen, die das NS-Regime in den 1930er Jahren beim Stuttgarter Steinbruch Lauster in Auftrag gab. Trotz ihrer eigentlich kolossalen Proportionen sind sie heute, im Schatten der gigantischen Müllverbrennungsanlage, kaum auszumachen. Vorgesehen waren sie für ein monumentales Mussolini- Denkmal, das als Teil von Albert Speers geplanter Welthauptstadt „Germania“ in Berlin auf dem Adolf-Hitler-Platz (heute Theodor-Heuss-Platz) errichtet werden sollte. Der Krieg verhinderte dieses Vorhaben, und die Säulen wurden nie abtransportiert. So bilden sie heute ein Zeugnis des nationalsozialistischen Größenwahns und des machtpolitischen Anspruchs seiner Staatsarchitektur.

 


Verbrannte Bücher, 2019

Archival Pigment Prints, je 52 x 70 cm

 

Die Serie Verbrannte Bücher setzt Exemplare der als „undeutsch“ verfemten und von den Nationalsozialisten 1933 öffentlich verbrannten Literatur fotografisch ins Bild. Sie würdigt diese als „Überlebende“ und weist so darauf hin, dass Objekten nach dem Verschwinden der Zeitzeugen eine besondere Bedeutung für das kollektive Gedächtnis zukommt. Neben Autor*innen wie Else Lasker- Schüler, Erich Kästner oder Stefan Zweig machen Kelms 24 Fotografien auch weniger bekannte Schriftsteller*innen sichtbar und zeigen, dass selbst Kinderbücher der Zensur unterworfen waren. Die gleichmäßige Ausleuchtung und mittige Platzierung stellen eine Gleichberechtigung zwischen den Autoren und ihren Werken her und halten die moderne Formensprache fest, die durch das nationalsozialistische Regime ausgelöscht werden sollte.

 

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