Leon Kahane

 

Leon Kahane (*1985 in Berlin) schafft konzeptuelle Videoarbeiten, Fotografien und Installationen, in denen Themen wie Migration, Identität und die Auseinandersetzung mit Mehr- und Minderheiten in einer globalisierten Gesellschaft im Zentrum stehen. Fokus seines Interessessind häufig die geopolitischen und sozialen Veränderungen der jüngeren Vergangenheit. Immer wieder lenkt er die Aufmerksamkeit auf Ereignisse und Institutionen, in denen der Geschichte innewohnende Widersprüche zum Ausdruck kommen. Sie spiegeln historische, politische und ökonomische, aber auch biografische Aspekte wider, die er in seinen Arbeiten aufgreift und verarbeitet.

 

kunstwerk

Pitchipoï, 2019

Video, ca. 20 min
Inkjet Prints, 110 x 165 cm
Tusche auf Papier, 15 x15 cm

 

Die modernistische Wohnanlage „Cité de la Muette“ im französischen Drancy wurde von 1932 bis 1934 als soziales Wohnbauprojekt errichtet. 1940 wurde der Komplex von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt und diente zwischen 1941 und 1944 als Sammellager für einen großen Teil der Juden in Frankreich, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Auch die jüdische Großmutter Leon Kahanes war in dem für seine katastrophalen Bedingungen bekannten Lager gefangen. „Pitchipoï“ war ein im Lager verwendeter, imaginärer Name für den Ort, der die jüdischen Gefangenen nach ihrer Deportation erwarten sollte. Die Erfindung des Begriffs kompensierte Unvorstellbares, da sie von den Nationalsozialisten nicht erfuhren, wohin sie gebracht werden sollten und was ihnen widerfahren sollte. Der Künstler hat den Bau, der heute wieder als Wohnanlage genutzt wird, aufgesucht und abgefilmt. Anhand der Dokumentation der Architektur, die unter anderem von dem einflussreichen Gestalter Jean Prouvé als leitendem Ingenieur entworfen worden war, geht Kahane der Frage nach, wie die als progressives Gemeinwohlprojekt entworfene Anlage von den Nationalsozialisten ins Gegenteil gekehrt werden konnte. Über die Erkundung der Fassaden und räumlichen Strukturen sucht er die tragische Aneignung einer Idee der Moderne durch ihre Gegner nachzuzeichnen. Gleichzeitig dokumentiert er, wie die Geschichte der „Cité de la Muette“ in einem von Überlebenden initiierten Erinnerungsort memoriert wird.

 

Leon Kahane

 

Leon Kahane (*1985 in Berlin) schafft konzeptuelle Videoarbeiten, Fotografien und Installationen, in denen Themen wie Migration, Identität und die Auseinandersetzung mit Mehr- und Minderheiten in einer globalisierten Gesellschaft im Zentrum stehen. Fokus seines Interessessind häufig die geopolitischen und sozialen Veränderungen der jüngeren Vergangenheit. Immer wieder lenkt er die Aufmerksamkeit auf Ereignisse und Institutionen, in denen der Geschichte innewohnende Widersprüche zum Ausdruck kommen. Sie spiegeln historische, politische und ökonomische, aber auch biografische Aspekte wider, die er in seinen Arbeiten aufgreift und verarbeitet.

 

kunstwerk

Pitchipoï, 2019

Video, ca. 20 min
Inkjet Prints, 110 x 165 cm
Tusche auf Papier, 15 x15 cm

 

Die modernistische Wohnanlage „Cité de la Muette“ im französischen Drancy wurde von 1932 bis 1934 als soziales Wohnbauprojekt errichtet. 1940 wurde der Komplex von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt und diente zwischen 1941 und 1944 als Sammellager für einen großen Teil der Juden in Frankreich, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Auch die jüdische Großmutter Leon Kahanes war in dem für seine katastrophalen Bedingungen bekannten Lager gefangen. „Pitchipoï“ war ein im Lager verwendeter, imaginärer Name für den Ort, der die jüdischen Gefangenen nach ihrer Deportation erwarten sollte. Die Erfindung des Begriffs kompensierte Unvorstellbares, da sie von den Nationalsozialisten nicht erfuhren, wohin sie gebracht werden sollten und was ihnen widerfahren sollte. Der Künstler hat den Bau, der heute wieder als Wohnanlage genutzt wird, aufgesucht und abgefilmt. Anhand der Dokumentation der Architektur, die unter anderem von dem einflussreichen Gestalter Jean Prouvé als leitendem Ingenieur entworfen worden war, geht Kahane der Frage nach, wie die als progressives Gemeinwohlprojekt entworfene Anlage von den Nationalsozialisten ins Gegenteil gekehrt werden konnte. Über die Erkundung der Fassaden und räumlichen Strukturen sucht er die tragische Aneignung einer Idee der Moderne durch ihre Gegner nachzuzeichnen. Gleichzeitig dokumentiert er, wie die Geschichte der „Cité de la Muette“ in einem von Überlebenden initiierten Erinnerungsort memoriert wird.