Ydessa Hendeles


Ydessa Hendeles’ (*1948 in Marburg) künstlerische Praxis ist von ihrem Engagement als Sammlerin, Kuratorin und Kunsthistorikerin geprägt. Nach ihrer achtjährigen Tätigkeit als Galeristin eröffnete sie 1988 mit der Ydessa Hendeles Art Foundation die erste privat finanzierte Ausstellungshalle in Kanada, die sie bis 2012 betrieb. Ihre Sammlung umfasst ebenso zeitgenössische Kunst wie kulturhistorische Objekte. Ausgehend von ihrer Sammlungstätigkeit tritt Hendeles auch als Künstlerin in Erscheinung. Ihr Werk ist eng verbunden mit ihrer eigenen Biografie als Tochter von Holocaust-Überlebenden. Sie entwirft Rauminstallationen, die sich als dichte Überlagerungen präzise recherchierter kulturgeschichtlicher Inhalte und autobiografischer Referenzen verstehen.

 

kunstwerk

The Steeple and The People, 2018

Installation, unterschiedliche Maße

 

Ydessa Hendeles neu geschaffene Arbeit „The Steeple and The People“ ist eine ortsspezifische Installation, die sich in der Abtei St. Bonifaz befindet. Hendeles arrangiert historische Objekte, Kunstwerke und persönliche Artefakte, um eine vieldeutige Erzählung über die trennende wie verbindende Kraft unterschiedlicher Glaubenssysteme zu komponieren. „The Steeple and The People“ referiert auf einen britischen Kinderreim, dessen Muster die Künstlerin übernimmt und in ihrer räumlichen Intervention an historische Ereignisse anlehnt. Metaphorisch verbindet die Künstlerin die Städte Nürnberg und Fürth – dargestellt durch einen Reliquienschrein und ein Miniaturmodell einer Stadt – mittels einer Spielzeug- Eisenbahn aus dem Jahr 1935. Diese verweist auf Deutschlands erste Dampfeisenbahn, den „Adler“, die zwischen beiden Städten verkehrte und es den Fürther Juden ermöglichte, in Nürnberg zu arbeiten, wo sie sich nicht niederlassen durften. Durch massenwirksame Inszenierungen der Nationalsozialisten wurde Nürnberg zum Inbegriff für deren menschenverachtende Ideologie. Symbolisch aufgeladen steht die Repräsentation Fürths in Hendeles’ Installation für die Ausgrenzung und spätere Deportation von Juden und Jüdinnen. In der von der Künstlerin entworfenen Fiktion wird die Geschichte von Ausschluss und Verfolgung in eine Erzählung von Akzeptanz und Teilhabe gewandt, die, vermittelt durch Aquarellzeichnungen, ein friedvolles Miteinander imaginiert.

 

Standort
Benediktinerabtei St. Bonifaz, Karlstraße 34, 80333 München

 

Ydessa Hendeles


Ydessa Hendeles’ (*1948 in Marburg) künstlerische Praxis ist von ihrem Engagement als Sammlerin, Kuratorin und Kunsthistorikerin geprägt. Nach ihrer achtjährigen Tätigkeit als Galeristin eröffnete sie 1988 mit der Ydessa Hendeles Art Foundation die erste privat finanzierte Ausstellungshalle in Kanada, die sie bis 2012 betrieb. Ihre Sammlung umfasst ebenso zeitgenössische Kunst wie kulturhistorische Objekte. Ausgehend von ihrer Sammlungstätigkeit tritt Hendeles auch als Künstlerin in Erscheinung. Ihr Werk ist eng verbunden mit ihrer eigenen Biografie als Tochter von Holocaust-Überlebenden. Sie entwirft Rauminstallationen, die sich als dichte Überlagerungen präzise recherchierter kulturgeschichtlicher Inhalte und autobiografischer Referenzen verstehen.

 

kunstwerk

The Steeple and The People, 2018

Installation, unterschiedliche Maße

 

Ydessa Hendeles neu geschaffene Arbeit „The Steeple and The People“ ist eine ortsspezifische Installation, die sich in der Abtei St. Bonifaz befindet. Hendeles arrangiert historische Objekte, Kunstwerke und persönliche Artefakte, um eine vieldeutige Erzählung über die trennende wie verbindende Kraft unterschiedlicher Glaubenssysteme zu komponieren. „The Steeple and The People“ referiert auf einen britischen Kinderreim, dessen Muster die Künstlerin übernimmt und in ihrer räumlichen Intervention an historische Ereignisse anlehnt. Metaphorisch verbindet die Künstlerin die Städte Nürnberg und Fürth – dargestellt durch einen Reliquienschrein und ein Miniaturmodell einer Stadt – mittels einer Spielzeug- Eisenbahn aus dem Jahr 1935. Diese verweist auf Deutschlands erste Dampfeisenbahn, den „Adler“, die zwischen beiden Städten verkehrte und es den Fürther Juden ermöglichte, in Nürnberg zu arbeiten, wo sie sich nicht niederlassen durften. Durch massenwirksame Inszenierungen der Nationalsozialisten wurde Nürnberg zum Inbegriff für deren menschenverachtende Ideologie. Symbolisch aufgeladen steht die Repräsentation Fürths in Hendeles’ Installation für die Ausgrenzung und spätere Deportation von Juden und Jüdinnen. In der von der Künstlerin entworfenen Fiktion wird die Geschichte von Ausschluss und Verfolgung in eine Erzählung von Akzeptanz und Teilhabe gewandt, die, vermittelt durch Aquarellzeichnungen, ein friedvolles Miteinander imaginiert.

 

Standort
Benediktinerabtei St. Bonifaz, Karlstraße 34, 80333 München