Aslan Ġoisum


Aslan Ġoisum (*1991 in Grozny) arbeitet mit verschiedenen Medien, darunter vor allem Video, skulpturale Installationen sowie Papierarbeiten. Viele seiner Werke erzeugen beim Betrachten das Gefühl, als fehle etwas oder als würde etwas ausgelassen. Durch diese Strategie zielt Ġoisum auf die Schärfung unserer visuellen Wahrnehmung, indem er bewusst macht, was eingeschlossen und was ausgeschlossen wird. Er hält keine Bilder zurück, sondern reduziert deren Fülle, um sich auf den menschlichen Körper zu konzentrieren. So werden seine Arbeiten zu Experimenten des Sehens und des Nicht-Sehens.

 

kunstwerk

People of No Consequence, 2016

Video, 8:34 min
 

Keicheyuhea, 2017

Video, 19:37 min


In seinen Videoarbeiten People of No Consequence und Keicheyuhea versucht Aslan Ġoisum die Frage zu formulieren, wie Überlebende eines traumatischen Ereignisses über ihre Erfahrungen Zeugnis ablegen können – kollektiv in People of No Consequence – und was wir sehen können, wenn jemand in die Vergangenheit blickt – als persönlicher Blick in Keicheyuhea. Beide Werke setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Gedächtnis und Verlust auseinander. Während des Zweiten Weltkriegs ordneten die sowjetischen Behörden die Zwangsumsiedlung ganzer Bevölkerungsgruppen in der UdSSR an, die mehrere Nationen aus dem Nordkaukasus und der Krim umfasste. Zu Beginn des Videos People of No Consequence sehen wir das Innere einer mit leeren Stühlen gefüllten Gemeindehalle in Grosny. Das Video dauert 8 Minuten und 34 Sekunden – genau die Zeit, die es bedarf, bis die 119 tschetschenischen Überlebenden der Deportation im Alter von 73 bis 105 Jahren den Raum betreten haben, um Platz zu nehmen. Ohne zu uns zu sprechen, blickt die Gruppe in die Kamera.

 

In Keicheyuhea folgt das Objektiv einem Auto mit einer Frau, die in den bergigen Teil Südtschetscheniens reist, um zum ersten Mal seit 1944 den Ort ihres ehemaligen Dorfes zu sehen. Als sie aus dem Fahrzeug steigt und mit ihren Augen die karge Landschaft abtastet, um vertraute Spuren zu identifizieren, sagt sie: „Es gibt nichts zu sehen.“ Es besteht eine Differenz zwischen dem, was die Frau schließlich erkennt und dem, was der Künstler, die Kamera und die Betrachter*innen nicht fähig sind zu sehen. Sie kommt an, ihre Erinnerungen beleben die Landschaft und als sie diese verlässt, wandelt sich die Stille der Geschichte zurück in die Stille der Natur.

audioguide

Aslan Ġoisum


Aslan Ġoisum (*1991 in Grozny) arbeitet mit verschiedenen Medien, darunter vor allem Video, skulpturale Installationen sowie Papierarbeiten. Viele seiner Werke erzeugen beim Betrachten das Gefühl, als fehle etwas oder als würde etwas ausgelassen. Durch diese Strategie zielt Ġoisum auf die Schärfung unserer visuellen Wahrnehmung, indem er bewusst macht, was eingeschlossen und was ausgeschlossen wird. Er hält keine Bilder zurück, sondern reduziert deren Fülle, um sich auf den menschlichen Körper zu konzentrieren. So werden seine Arbeiten zu Experimenten des Sehens und des Nicht-Sehens.

 

kunstwerk

People of No Consequence, 2016

Video, 8:34 min
 

Keicheyuhea, 2017

Video, 19:37 min


In seinen Videoarbeiten People of No Consequence und Keicheyuhea versucht Aslan Ġoisum die Frage zu formulieren, wie Überlebende eines traumatischen Ereignisses über ihre Erfahrungen Zeugnis ablegen können – kollektiv in People of No Consequence – und was wir sehen können, wenn jemand in die Vergangenheit blickt – als persönlicher Blick in Keicheyuhea. Beide Werke setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Gedächtnis und Verlust auseinander. Während des Zweiten Weltkriegs ordneten die sowjetischen Behörden die Zwangsumsiedlung ganzer Bevölkerungsgruppen in der UdSSR an, die mehrere Nationen aus dem Nordkaukasus und der Krim umfasste. Zu Beginn des Videos People of No Consequence sehen wir das Innere einer mit leeren Stühlen gefüllten Gemeindehalle in Grosny. Das Video dauert 8 Minuten und 34 Sekunden – genau die Zeit, die es bedarf, bis die 119 tschetschenischen Überlebenden der Deportation im Alter von 73 bis 105 Jahren den Raum betreten haben, um Platz zu nehmen. Ohne zu uns zu sprechen, blickt die Gruppe in die Kamera.

 

In Keicheyuhea folgt das Objektiv einem Auto mit einer Frau, die in den bergigen Teil Südtschetscheniens reist, um zum ersten Mal seit 1944 den Ort ihres ehemaligen Dorfes zu sehen. Als sie aus dem Fahrzeug steigt und mit ihren Augen die karge Landschaft abtastet, um vertraute Spuren zu identifizieren, sagt sie: „Es gibt nichts zu sehen.“ Es besteht eine Differenz zwischen dem, was die Frau schließlich erkennt und dem, was der Künstler, die Kamera und die Betrachter*innen nicht fähig sind zu sehen. Sie kommt an, ihre Erinnerungen beleben die Landschaft und als sie diese verlässt, wandelt sich die Stille der Geschichte zurück in die Stille der Natur.

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